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Barmer Theologische Erklärung

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Barmer Theologische Erkl?¤rung

Geschichtliches

Sie gilt als Dokument des Kirchenkampfes im nationalsozialistischen Deutschland und wurde u.a. von Karl Barth und Hans Christian Asmussen konzipiert. Auf der ersten Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche in der Gemarker Kirche nahmen am 31. Mai 1934 insgesamt 139 Delegierte aus 25 Landes- und Provinzialkirchen die »Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche« einmütig an.

Die Barmer Erklärung stellt den Versuch der sich formierenden »Bekennenden Kirche« dar, angesichts staatlicher und kirchlicher Bedrohung verbindliche Aussagen über Wesen und Auftrag der Kirche festzuschreiben und ist eines der wenigen Zeugnisse kirchlichen Widerstandes zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.

Die Barmer Erklärung ist als wichtiges theologisches Dokument aus der Zeit des Kirchenkampfes bis heute verpflichtendes Bekenntnis in der Evangelischen Kirche im Rheinland und auch in vielen anderen Kirchen in Deutschland und weit darüber hinaus. Die ordnierten Predigerinnen und Prediger der rheinischen Kirche werden auf die Barmer Erklärung verpflicht, Presbyterinnen und Presbyter werden bei ihrer Einführung ausdrücklich an dieses Bekenntnis erinnert.

 

 

 

Das Jubil?¤um 75 Jahre BTE

Informationen zum Jubiläum 75 Jahre BTE
75Jahre BTE Gemeinde leben.pdf
Informationen zum Jubiläum 70 Jahre BTE
70 Jahre BTE Gemeinde leben.pdf

Projekt Dauerausstellung zur Barmer Theologischen Erkl?¤rung

Der 75. Jahrestag der Barmer Theologischen Erklärung ist für den Kirchenkreis Wuppertal und die Evangelische Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld in Barmen der Impuls, über ein nachhaltiges Projekt zur Kirchengeschichte nachzudenken: Eine zeitgemäße Dauerausstellung über die Barmer Theologische Erklärung, ihre Vorgeschichte, ihren historischen Kontext und ihre Wirkungsgeschichte am authentischen Ort, nämlich in der Gemarker Kirche im Wuppertaler Stadtteil Barmen, zu realisieren. Die Dokumentation soll die wichtigsten Ereignisse und Biografien des Kirchenkampfs vor allem in Wuppertal darstellen und dabei besonderen Wert auf die Darstellung der Alltagsgeschichte legen.
Der Aufbau der Dokumention soll u.a. von der Dr. Ulrike Schrader, Historikerin an der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, konzeptionell begleitet werden. Ziel der Dokumentation soll es sein, Lehrern und Lehrerinnen, Pfarrerinnen und Pfarrern, Jugendlichen und die interessierte Öffentlichkeit über die Situation und Entwicklung der Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus am prominenten Beispiel der Stadt Wuppertal am genius loci der Barmer Theologischen Erklärung zu informieren, und zwar am authentischen Ort. Auf diese Weise lassen sich historische Ereignisse, Biografien und auch die Wirkungsgeschichte anschaulich erzählen, und die wachsende zeitliche Distanz scheint durch die lokale Nähe aufgehoben.
Für die Realisierung dieser Arbeit benötigen wir finanzielle Unterstützung.
Wir freuen uns über jede Spende!

Herzlichen Dank!
Ihre Evangelische Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld in Barmen

Kontonummer 75 75 75 0
bei der KD Bank in Dortmund, BLZ 350 601 90
Kontoinhaber: Ev. Kgm. Gemarke-Wupperfeld in Barmen
Stichwort: 75 Jahre Barmer Erklärung

Barmer Theologische Erkl?¤rung im Wortlaut

Wuppertal-Barmen, am 31. Mai 1934

Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche

Die Deutsche Evangelische Kirche ist nach den Eingangsworten ihrer Verfassung vom 11. Juli 1933 ein Bund der aus der Reformation erwachsenen, gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Bekenntniskirchen. Die theologische Voraussetzung der Vereinigung dieser Kirchen ist in Artikel 1 und Artikel 2, 1 der von der Reichsregierung am 14. Juli 1933 anerkannten Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche angegeben:

Artikel 1: Die unantastbare Grundlage der Deutschen Evangelischen Kirche ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Reformation neu ans Licht getreten ist. Hierdurch werden die Vollmachten, deren die Kirche für ihre Sendung bedarf, bestimmt und begrenzt.

Artikel 2, 1: Die Deutsche Evangelische Kirche gliedert sich in Kirchen (Landeskirchen)

Wir, die zur Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche vereinigten Vertreter lutherischer, reformierten und unierter Kirchen, freier Synoden, Kirchentage und Gemeindekreise erklären, dass wir gemeinsam auf dem Boden der Deutschen Evangelischen Kirche als eines Bundes der deutschen Bekenntniskirchen stehen. Uns fügt dabei zusammen das Bekenntnis zu dem einen Herrn der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche.
Wir erklären vor der Öffentlichkeit aller evangelischen Kirchen Deutschlands, dass die Gemeinsamkeit dieses Bekenntnisses und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche aufs schwerste gefährdet ist. Sie ist bedroht durch die in dem ersten Jahr des Bestehens der Deutschen Evangelischen Kirche mehr und mehr sichtbar gewordene Lehr- und Handlungsweise der herrschenden Kirchenpartei der Deutschen Christen und des von ihr getragenen Kirchenregiments. Diese Bedrohung besteht darin, dass die theologische Voraussetzung durchkreuzt und unwirksam gemacht wird. Bei deren Geltung wird also auch die Deutsche Evangelische Kirche als Bund der Bekenntniskirchen innerlich unmöglich. Gemeinsam dürfen und müssen wir als Glieder lutherischer, reformierter und unierter Kirchen heute in dieser Sache reden. Gerade weil wir unseren verschiedenen Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen, dürfen wir nicht schweigen, da wir glauben, dass uns in einer Zeit gemeinsamer Not und Anfechtung ein gemeinsames Wort in den Mund gelegt ist. Wir befehlen es Gott, was dies für das Verhältnis der Bekenntniskirchen untereinander bedeuten mag.

Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche sprengenden Irrtümer der „Deutschen Christen“ und der gegenwärtigen Reichskirchenregierung zu folgenden evangelischen Wahrheiten:

1. Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

2. Durch Gott seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung. (1. Kor 1,30)

Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.

3. Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist. (Eph 4, l5. 16)

Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.

4. Jesus Christus spricht: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener. (Mt 20, 25.26)

Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete Führer geben und geben lassen.

5. Fürchtet Gott, ehrt den König. (1. Petr 2,17)

Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.

6. Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20) Gottes Wort ist nicht gebunden. (2. Tim 2,9)

Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.

Die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche erklärt, dass siein der Anerkennung dieser Wahrheiten und in der Verwerfung dieser Irrtümer die unumgängliche theologische Grundlage der Deutschen Evangelischen Kirche als eines Bundes der Bekenntniskirchen sieht. Sie fordert alle, die sich ihrer Erklärung anschließen können, auf, bei ihren kirchenpolitischen Entscheidungen dieser theologischen Erkenntnisse eingedenk zu sein. Sie bittet alle, die es angeht, in die Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung zurückzukkehren.

Verbum Dei manet in aeternum.