Geschichte der Gemarker Kirche
Die 1579 auf der Gemarke gegründete Barmer Amtsschule war das erste geistige und religiöse Zentrum Barmens. Mit der Erbauung der Schule beginnt die eigentliche Geschichte der Gemarker Kirche. Bereits ihr Nachfolgebau aus dem Jahre 1687 diente den öffentlichen Katechisierungen und Predigten und war somit die erste provisorische Kirche der Oberbarmer Reformierten.
Am 8. August 1702 stimmte Johann Wilhelm II. Herzog von Jülich und Berg schließlich der Gründung einer selbständigen evangelisch-reformierten Gemeinde in Barmen zu. Doch erst ein Jahrzehnt später, am 19. Mai 1710, wurde der Grundstein für einen ersten Kirchbau gelegt. Das Grundstück auf der Gemarke, das namengebend für die junge Gemeinde wie für die zu errichtende Kirche war, hatte der Barmer Kaufmann Peter Wichelhausen zur Verfügung gestellt. Wichelhausen war auch der erste Kirchmeister der Gemeinde. Der Bau kam zunächst zügig voran, doch stürzte am 29. Februar 1712 der gerade fertig gestellte Gemarker Kirchturm ein, weil der morastige Untergrund das Bauwerk nicht zu tragen vermochte.
Am 17. Juni 1714 konnte die Gemeinde den ersten Gottesdienst in der Gemarker Kirche feiern. In den folgenden Jahrzehnten bildete sich um den Kirchbau die Ortschaft Gemarke. Im Juni 1719 wurde endlich mit dem zweiten Bau eines Kirchturms begonnen. Als 1721 die immensen Baukosten nicht weiter gedeckt werden konnten, ruhten die Bauarbeiten einige Zeit. 1732 war der Kirchturm endlich fertig gestellt.
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Kirche für die gewachsene Gemeinde zu klein geworden, so dass sich das Presbyterium zu einem Neubau entschloss. Die erste Gemarker Kirche wurde im Herbst 1887 abgerissen. Zwischen 1888 und 1890 entstand an gleicher Stelle durch die Baumeister Bummerstedt und Berger eine größere Kirche. Der eklektizistische Zentralbau war innen etwa 25 m lang, 27 m breit und 16 m hoch. Der vierteilige Kirchturm war 70 m hoch und zu beiden Seiten von zwei Treppentürmchen eingefasst. Die historischen Fenster- und Portalformen waren der Renaissance nachempfunden. Die Prinzipalstücke samt Orgelprospekt waren übereinander angeordnet. Insgesamt bot die Kirche 1300 Menschen Platz.
In der Kirche tagte vom 29. bis zum 31. Mai 1934 die erste Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche, auf der die Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche einmütig angenommen wurde. Sie ist ein wichtiges Lehr- und Glaubenszeugnis des Kirchenkampfes in der Zeit des Nationalsozialismus. Nach 1945 ist sie einigen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Bekenntnisschrift geworden. Auch in der Evangelischen Kirche im Rheinland werden heute Pfarrer und Prädikanten neben den drei altkirchlichen Bekenntnissen und den Bekenntnisschriften der Reformation auf die Barmer Theologische Erklärung ordiniert. Dass sie etwa der United Presbyterian Church oder der Protestantse Kerk in Nederland zur Bekenntnisschrift wurde, kennzeichnet ihre Bedeutsamkeit in der Ökumene. Des Weiteren beeinflusste die Barmer Theologische Erklärung den kirchlichen Kampf gegen Apartheid in Afrika wie die lateinamerikanische Befreiungstheologie.
Große Teile Barmens wurden in der Nacht zum 30. Mai 1943 durch einen britischen Luftangriff zerstört. Auch die Gemarker Kirche brannte völlig aus.
Am 245. Jahrestag der Grundsteinlegung zur ersten Gemarker Kirche, dem 19. Mai 1955, konnte endlich der erste Gottesdienst in der wiedererrichteten, jedoch deutlich kleineren Gemarker Kirche stattfinden.
Heute ist die Gemarker Kirche zusammen mit dem benachbarten Gemeindehaus, das 1966 seiner Bestimmung übergeben wurde, ein zentraler Ort im Leben der Gemeinde. Ende 1995 startete in Zusammenarbeit mit dem damaligen Kirchenkreis Barmen das Projekt CityKirche. Mit dem 1997 eröffneten Café Komma wurde ein Raum der Begegnung geschaffen. Kirche kann hier als Gast- und Rasthaus wahrgenommen werden. Mit dem Informationszentrum, dem Eine-Welt-Laden, einem qualifizierten Beratungs- und Seelsorgeangebot kann die Gastfreundschaft Gottes erfahren werden. Eine zentrale Kircheneintrittsstelle für Wuppertal ergänzt dieses Angebot.
Gleich zwei Ereignisse gab es im Jahre 2002 zu feiern: Zum einen wurde am 15. September die Kirche nach Umbau und Renovierung zum 300. Gemeindejubiläum wieder eröffnet. Zum anderen konnte am 8. Dezember nur fünf Meter neben der Gemarker Kirche die neue Synagoge Bergisch Land in Anwesenheit von Bundespräsident Johannes Rau und dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzaw eingeweiht werden. Es war das erste Mal nach Kriegsende, dass ein israelischer Staatspräsident an der Eröffnung einer Synagoge in Deutschland teilnahm. Kirche und Synagoge bilden, so Johannes Rau damals, eine Haftungsgemeinschaft und kommen sich räumlich nahe wie sonst nirgendwo auf der Welt.











