Es soll gut werden!

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Es soll gut werden!

Das Jahr 2026 ist da – mit neuen Hoffnungen und alten Sorgen. In seiner WZ-Kolumne denkt Pfarrer Frank Schulte darüber nach, was „neu“ wirklich bedeutet. Gegen Resignation setzt er die biblische Zusage der Jahreslosung: „Achtung! Ich mache alles neu!“

Da ist es nun, das nagelneue Jahr 2026. Und wie das so ist mit dem neuen Jahr: Natürlich sind wieder Milliarden neue gute Vorsätze gemacht, wir haben gefeiert und schon sind wir mittendrin in der neuen Zeit. Was wird uns erwarten? Gute alte Bekannte sind auch schon da. Die Lieblingsmenschen, die vertraute Wohnung, die Lieblingstasse.

Alles noch da, und alles in allem fühlte es sich auch gar nicht so neu an, hier im Jahr 2026. Leider sind auch die alten Probleme ohne große Mühe mit rübergekommen. Die Sorgen um Demokratie, Arbeitsplätze, Gesundheit, womöglich auch Arthrose und Gallensteine haben sich vom Feuerwerk nicht vertreiben lassen. Kriege und Hunger in der Welt sind dagegen auch immun.

Ist das Neue nur ein Etikett?

Ist das neue Jahr doch wieder nur ein altes Jahr, mit dem schönen Etikett 2026? Und was wäre eigentlich ein wirklich neues Jahr? Also wenn wirklich alles neu, ganz neu wäre?

Die Jahreslosung ist so etwas wie das letzte Wort über diese alte, geschundene, schreckliche und gleichzeitig liebenswerte Welt.

Das kirchliche Motto für 2026 lautet: „Achtung! Ich mache alles neu!“ Es stammt aus dem letzten Buch der Bibel und ist so etwas wie das letzte Wort über diese alte, geschundene, schreckliche und gleichzeitig liebenswerte Welt. Das, was uns alle auf der Zielgraden erwartet. Und dieser Satz kommt unerwartet, denn wir können ja fast gar nicht anders, als beim Blick auf unsere Jahre, die Welt und die Nachrichten zu sagen: Das wird ein schlimmes Ende nehmen.

Interessanterweise und gegen unser Vorurteil ist die Bibel ein optimistisches Buch. Über das Alte, das wir alle nur zu gut kennen, das in unseren Augen nur schlimm enden kann, sagt Gott sein großes Schlusswort. „Achtung, ich mache alles neu!“

Missverständnisse vom „Neumachen“

Jetzt höre ich Sie schon sagen, aber wenn es gut und neu werden soll, muss alles Alte weg. Nach dem Motto: „Das kann alles weg, ich mache alles neu!“ Dann wäre für Gott nichts von unserem Leben gut genug und deshalb macht er es am Ende komplett neu. Dann wäre unser gesamtes Handeln als Menschen nur dilettantisch, vorläufig im negativsten Sinne und eigentlich auch vergeblich.

Am Ende – und das ist es dann auch ein Ende – bricht alles ab und etwas anderes kommt. Es so negativ zu verstehen, ist vielleicht ein Echo unserer Wegwerfmentalität, aber nicht Gottes Ziel für die Welt. Aber was heißt das konkret?

Die Wirklichkeit unseres Lebens

Nun zunächst einmal, dass unser Leben und diese Welt gefährlich, ja manchmal unheimlich schrecklich sind. Gleichzeit aber auch wunderbar und berauschend schön. Wir haben das Leben leider nur in dieser Mischung, auch im Jahr 2026. Das zu sehen, ist realistisch und noch keine gute Nachricht! „Achtung! Ich mache alles neu!“ Das dagegen ist eine gute Nachricht, denn es ist eine Botschaft des Vertrauens, da kommt noch was und das ist gut!

Am Ende soll alles gut werden, erneuert, geheilt. Das ist christliche Hoffnung.

Sicher gibt es viele Menschen, die auch die Bibel einreihen in die depressiven Texte der Menschheit. Aber ich lese gerade in diesen alten Worten eine sehr realistische Beschreibung unserer Hoffnung. Das Kind in der Krippe ist später auch der, der unter die Räder kommt. Das musste ja schlimm enden, haben auch da viele gesagt. Aber es endet mit Heilung und Leben, mit Hoffnung. Das werden wir Ostern feiern. Und nach einer endlosen Analyse und Beschreibung der bitteren Realitäten des Lebens, endet das letzte Buch der Bibel mit dem entscheidenden Satz: „Achtung! Ich mache alles neu!“

Die gute Pointe zum Schluss

Das ist die gute Pointe zum Schluss! Kein „Weg damit!“, kein, „Das wird schlimm enden!“. Kein depressiver Abgesang auf die Weltgeschichte und unser Leben! Keine Weltuntergangsphantasie, keine Dystopie der Weltgeschichte, kein angstmachendes Szenario, auch wenn es eine Menge verstörende Abschnitte gibt. Nein, im Gegenteil! Am Ende soll alles gut werden, erneuert, geheilt. Das ist christliche Hoffnung. Und Wertschätzung des Lebens, dieses Leben soll heil werden, dieses Schlamassel soll nicht das letzte Wort haben. Das heißt „Neu“ bei Gott! Es soll gut werden.

Das neue Jahr und das alte Leben, beide werden neu. Das gibt Luft, um kreativ zu sein, vielleicht auch ein bisschen verrückt. Mut kommt aus dem Vertrauen, von Gott gehalten zu werden. Wir sind für diese Welt da, gegen alle noch so realistischen Einwände gegen diese schrecklich schöne Welt, weil sie nicht das letzte Wort haben. Denn ihre Überschrift ist: „Achtung! Ich mache (erstens) alles (zweitens) neu!“


WZ-Kolumne von Frank Schulte, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld

Der Text ist bereits erschienen in der WZ Wuppertal vom 2. Januar 2026.

 

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